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Lucidity - VÖ: 28.09.2007
Lucidity heißt das eindrucksvolle Debüt Album von Delain. Martijn Westerholt verpflichtete hierfür einige extrem talentierte Musiker wie zum Beispiel der finnische Bassist Marko Hielata (Nightwish, Tarot), der Gitarrist Jan Yrlund (ex-Lacrimosa) und die norwegisch-deutsche Sängerin Liv Kristine (ex-Theater of Tragedy, Leaves` Eyes). Außerdem waren einige renommierte niederländische Musiker in das Projekt eingebunden: Sängerin Sharon den Adel (Within Temptation), Gitarist Ad Sluyter (Epica), Drummer Ariën van Weezenbeek (God Dethroned), sowie Sänger George Oosthoek und Gitarrist Guus Eikens (ex-Orphanage). Aber Delain gibt auch neuen Talenten eine Chance: die junge und relative unbekannte Sängerin Charlotte Wessels (ex-To Elysium) steuerte die meisten Vocals zum Album bei und bildet neben Martijn, der die meisten Songs schrieb, das Herzstück der Band. Ihre charakteristische Stimme verleiht Delain eine eigene Identität, da sie aus der Masse der hohen, opernartigen Stimmen, die so typisch für das Gothic-Genre sind, heraus sticht.

Delain ist aufgrund ihres projektartigen Charakters eine außergewöhnliche Band. Die vielen Musiker und Sänger auf Lucidity haben alle ihre musikalischen Spuren hinterlassen: „I wanted to encourage interaction between the different musicians,” sagt Projektleiter Martijn. Aber trotz seiner leitenden Funktion ließ er reichlich Raum für persönliche Beiträge seiner Mitmusiker.

Lucidity beinhaltet auch einige interessante Duette: Liv Kristine ist zusammen mit Marko Hielata bei „Day For Ghosts“ und mit Charlotte bei „See Me In Shadows“ zu hören. Sharon den Adels unverwechselbare Stimme ist ein großartiger Gegenpart zu Markos starken Vocals bei „No Compliance“, während die tiefe Stimme von George Oosthoek sehr gut mit Charlottes friedlicher Stimme harmoniert.

Trotz, oder vielleicht gerade wegen, der musikalischen und stimmlichen Mannigfaltigkeit des Albums bilden die Songs eine ansprechende Einheit. Musikalisch charakteristisch für Delain sind markante Keyboards, bombastische Chöre und Tempiwechsel, gepaart mit schweren Gitarren, ultra-tighten Drums und großartigen Melodien. „I love beautiful, melancholic and powerful, even euphoric, music. But most important for me is the vibe of a song,” erklärt Martijn.
Im Juli 2005 unterschrieben Delain bereits einen Vertrag bei Roadrunner Records und kurz darauf startete die Produktion des Albums in Deutschland, Finnland, Schweden und den Niederlanden mit Oliver Phillips und Martijn selbst an den Reglern, während Stefan Helleblad (Opeth, Rammstein und Dark Funeral) das finale Mixing vornahm.

Lucidity wurde bereits im September 2006 in Benelux veröffentlicht und stieg in die niederländischen Album Top 100 auf Platz 43 ein, was außergewöhnlich für einen Metal-Act ist. Zusätzlich hagelte es großartige Reviews. Zur ersten Single „Frozen” drehte die Band ein wunderschönes Video in Deutschland. Dieses Lied vereinigt alle Bestandteile, die Delain ausmachen: einen eingängigen Refrain, schwere Riffs, ein Gitarrensolo und einen Chor, kombiniert mit heiteren und melodischen Breaks.



Rezession von Andreas Kretschmann

Delain    „Lucidity“

Martijn Westerholt war seit 1996 Mitglied von Within Temptation, mußte aber 2001 wegen einer chronischen Krankheit die Band verlassen. Doch schon bald fühlte er sich wieder besser und fing an Songs zu schreiben. Er gründete das Projekt DELAIN, genannt nach dem gleichnamigen Königreich aus Stephen King´s „The eyes of the dragon“.

Mit seinem neuen Projekt ist er dem Genre Gothic Rock/Metal treu geblieben.

Doch mit der jungen Sängerin Charlotte Wessels holte er eine für dieses Genre eher untypische Stimme ins Boot. Statt der sonst üblichen Sopranstimmen (z.B. die junge Sharon den Adel, Tarja Turunen, Vibeke Stene, Simone Simons) hat Charlotte eine glasklare, warme Stimme und überzeugt damit auf ganzer Linie.

Als weitere Projektmitglieder konnte Martijn Westerholt namhafte Größen der Metalszene gewinnen. Neben Sharon den Adel (Within Temptation) ist hier besonders Marco Hietala von Nightwish zu nennen. Er steuert nicht nur den Baß zu den meisten Songs bei, sondern gibt auch seine Stimme zum besten. So zum Beispiel bei The Gathering, zusammen mit Charlotte.

Den Refrain singt er bei No Compliance, ansonsten wird der Song komplett von Sharon den Adel vorgetragen (mit einer ausnahmsweise tiefen, etwas verzerrten Stimme).

Liv Christine ist zweimal vertreten. Die Frontfrau von Leave´s Eyes und Ex-Theatre of Tragedy singt bei Day for ghosts solo und bei See me in Shadow mit Charlotte Wessels im Duett.

Es versteht sich von selbst das bei einem derartigen Projekt George Oosthoek nicht fehlen darf. Der ehemalige Frontmann der leider aufgelösten Metalband Orphanage kann wie kaum ein anderer seines Genres so gute Grunts abliefern. Herrlich seine tiefe, düstere Stimme, die nie ins schrille abrutscht. Nach dem „Beauty and the beast“-Prinzip wechselt er sich gesanglich mit Charlotte Wessels klarer Stimme in den Tracks Silhouette of a dancer, Pristine und Deep Frozen ab. Letzterer ist als Bonustrack auf dem Album, für mich aber ein Geheimfavorit. Für die Grundversion von Frozen, gleichzeitig auch die erste Single-Auskopplung, wurde ein sehr gelungener, und für eine Debut-Band recht aufwendiger Videoclip gedreht. Mittlerweile wurde auch für See me in Shadow ein Video gedreht, bei dem Charlotte allerdings solo singt.

Für die Aufnahmen der Gitarrenspuren wurden zusätzlich Ad Sluijter (Epica), Guus Eikens und Yan Yrlund (Ex-Lacrimosa) verpflichtet.

Liegt es an der namhaften Prominenz, das das Debut-Album dermaßen ausgereift klingt, wie man es von einer Band eigentlich erst nach dem zweiten oder dritten Silberling erwarten kann? Ich meine nein! Hier zeigt sich eher die Erfahrung, die Martijn Westerhold während seiner Zeit bei Within Temptation sammeln konnte. Diese Impulse läßt er auch gleich im grandiosen Opener Sever einfließen. Der Track wird durch ein kleines, eingebautes Intro eingeleitet, baut sich dann gitarrenlastig auf und bietet später noch so manche Wendung. Für mich das Highlight des Albums.

Überhaupt kann der Hörer die Scheibe wie aus einem Guß anhören, es gibt keinen einzigen Ausfall. Viele der 12 Tracks stellen regelrechte Ohrwürmer dar.

Wer noch nicht ganz überzeugt ist sollte sich Delain einmal live ansehen; vielleicht schon während der Within Temptation –Tour im herbstlichen Deutschland (München, Stuttgart, Berlin, Leipzig, Köln), bei der Delain als Support auftreten.

Natürlich können hier viele Projektmitglieder nicht teilnehmen. Doch die jetzt vielleicht aufkommende Skepzis kann ich im Keime ersticken. Schon kurz nach der Produktion der CD im Frühjahr 2006 wurde mit Ronald Landa ein Multitalent gefunden, der stimmlich George Oosthoek und Marco Hietala locker ersetzen kann und zudem an der Gitarre ein Meister seines Fachs ist. Rob van der Loo ist sein Pendant am Baß. Und mit Sander Zoer wurde ein exzellenter Drummer gefunden. Charlotte singt die Parts von Sharon und Liv Kristine mit Bravour.

Schon das allererste Live-Konzert am 18.06.06 Im Tivoli in Utrecht hat mich umgehauen. Der Sound war perfekt und ich wurde ein Fan der ersten Stunde.